Ich hatte gestern auf der CeBit Gelegenheit, im Rahmen eines Microsoft Executive Circles mit CIOs des deutschen Handels ein paar Thesen zur Zukunft des Handels zu erläutern. Paula Paravecchio und
Bill Gonzalez trugen von Microsoft-Seite Strategieansätze für die Handelszukunft bei. Last but not least schneite auch noch Kevin Turner, Microsofts COO, herein und diskutierte mit den
Handelsvertretern Wünsche, Engpässe und zukünftige Konzepte.
Vier Punkte scheinen mir besonders wichtig, wenn es darum geht, die Weichen für den Handel in der Zukunft zu stellen:
1. Auch dieses Mal werden wir nicht erleben, dass eine Revolution der Vertriebskanäle ihre historische Vorgänger einfach auffrisst. Trotzdem: Der Unterwegskonsum wird neue Konsumformen
ausbilden und dabei vor allem auch die mobilen Endgeräte mit einbeziehen. Die weitere Zunahme von Alltags-
und Berufsmobilität ist in den nächsten Jahren eine entscheidende Schnittstelle, die vom Handel mit klugen Angebotet ausgestattete werden muss
Am Ende hatte alle in der kleinen Runde das Handy in der Hand und die Frage stand im Raum, was wird das richtige „Device“ sein, dass uns in die Handelszukunft führt. Klar ist schon jetzt, dass
wir uns auf einen weiteren Mobilitätsschub im Handel einstellen müssen. Kunden werden zukünftig vor allem dann bereit sein, zu kaufen, wenn sie Nicht-Orte wie Flughäfen oder Bahnhöfe durchqueren:
Das nomadische
Ich wird zum Point of Sale!
Konsum wird allgegenwärtig
2. Die Schlüsselfrage, auf die wir in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Antwort erhalten werden, lautet: Wie tiefgreifend werden die Mobiles unser Einkaufsverhalten verändern und in
welche Richtung müssen wir angesichts der mobilen Herausforderung unsere Storekonzepte anpassen
Microsoft setzt in den nächsten Jahren stark auf Cloud Computing und wird mit aller Macht um größere Marktanteile auf dem erbittert umkämpften Markt der mobilen Endgeräte kämpfen. 80 % der jungen
Amerikaner zwischen 18 und 29 Jahren schlafen mit dem Handy in Reichweite, 2/3 von ihnen texten auf ihrem mobile device während der Autofahrt. Auf der CeBit verkündete Google-Europa-Chef John
Herlihy, dass Handys in drei Jahren den Desktop abgelöst haben werden. Coca-Cola arbeitet schon heute mit Forschungen, die über mobile Geräte
laufen: http://bit.ly/cq0v0R Entnervend lange wurde uns der Durchbruch der mobilen Kommunikation versprochen. Im Sog der
Socialmedia ist jetzt ganz offensichtlich die Zeit gekommen, dass sich auch die Gewichte und das Nutzerverhalten zwischen PC hie und „tragbarem Telefon“ da dramatisch verändern werden.
3. Shopping und Konsumieren wird allgegenwärtig, ist schon allgegenwärtig. Aber allen Kulturkritikern sei gesagt: Mit neuen intelligenten Verkaufswegen wird Einkaufen nicht zum
unentrinnbaren Zwang, sondern zu einem neuen Vergnügen. Der Neo-Dandy der nächsten Jahre flaniert gegen 23 Uhr über die 5th Avenue und „schießt“ sich mit dem Handy eine neue Jeans
Was wird im Zuge dieser rasanten Entwicklung aus dem guten alten Marketing? Seit Jahren reden alle von Multichanneling. Jetzt – und vor allem über mobile devices - werden Anwendungen möglich, die
tatsächlich eine witzige und kundenfreundliche Vernetzung der einzelnen Kanäle gestatten. Wenn wir also gerade die Geburt des Standup-Konsumenten erleben, der jederzeit und überall seine Einkäufe
machen möchte, dann wird das Handy dabei in der Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Mobiltelefone werden zu Informationsdisplays und zu Bestellautomaten. Die New York Times hat kürzlich von
einer Click-Scan-and-Purchase-Innovation berichtet, bei der via Handyfoto der Barcode eines Artikels in
einer Boutique gelesen werden kann. Größeninformationen und Bestandsangabe teilen dem Foto-Konsumenten mit, ob der Artikel in seiner Größe verfügbar ist – Shopping, das zu jeder Tages- und
Nachtzeit realisiert werden kann und nicht länger dauert als ein Foto zu schießen.
4. In dem Maße, wie Konsum und Kommunikation noch einmal mobiler werden, erleben wir in den nächsten knapp zehn Jahren die nächste Evolutionsstufe in der Geräteentwicklung. Auf ein Bild
gebracht: Es wird der Kunde sein, der die Barcodes Ihrer Produkte im Laden scannt und daraus seine Schlüsse zieht („Bleiben oder gehen?“)
Auch hierbei sei vor Hysterie gewarnt. Der App-Hype und die weiter gewachsene Alltagsbedeutung des Handys wird den Supermarkt um die Ecke nicht ersetzen. Aber er ist jetzt schon dabei, unseren
Weg zu den Produkten auf erstaunliche Weise neu choreografieren. Kluge Startups wie www.shopsavvy.com oder www.thefind.com haben Applikationen entwickelt, die Barcodes scannen und den Nutzer in Realzeit mit Alternativangeboten im Netz und in der unmittelbaren Umgebung des
Aufenthaltsortes versorgen. ShopSavvy, das über iPod, iPhone, Android und Nokia-Handys läuft, registrierte im Februar 2010 sagen und schreibe 42 Millionen Scans. Die App von Thefind.com berechnet
sogar die Fahrtkosten, die anfallen, wenn ein günstigerer Anbieter angesteuert wird.
1 Kommentar
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