Di

08

Dez

2009

Lipstick Traces in der Zukunftsökonomie: Weibliche Entrepreneurs lösen die Soccermums ab. Die Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft, 5 Trendbeobachtungen

Im Konsum haben die Frauen nach wie vor die Hosen an: Zwischen 70 % und 80 % aller Haushaltsausgaben werden von Frauen entschieden. Die Eroberung einer neuen Position der Frauen wird deshalb auch in den nächsten Jahren den Konsum signifikant verändern. Aber der Wandel greift noch tiefer in den Quellcode unserer Gesellschaft ein: Die so genannten Soccermums (Teilzeitmütter, Freizeitchauffeure der Kinder) werden deutlich an Bedeutung verlieren. Und wir erleben den Auftritt der Lipstick Entrepreneure (Unternehmerinnen zwischen 30 und 50 Jahren).

Fünf Beobachtungen:

 

1. Das Ende der Soccermummy naht

Der „Untergang“ der Soccermums, der sich zuerst in den USA abzeichnete, greift auch nach Deutschland und Westeuropa über. Soccermums, das sind die halbtags berufstätigen Mummies aus den Suburbs, die am Nachmittag ihre Kinder mit dem Familyvan zu den Freizeitaktivitäten chauffierten. Am Untergang dieser Lebensform lässt sich symptomatisch die Neuordnung unserer Konsummärkte festmachen. Und es gibt weit reichende Ursache für diesen Wandel: Die soziodemografische Revolution der vergangenen zehn  Jahre (immer weniger Frauen bekommen Kinder, was auch mit den Rollenschwierigkeiten der Männern zu tun hat) und die positiven Bildungskarrieren der Frauen führen dazu, dass den meisten Frauen die Rolle der Haushaltsmanagerin nicht mehr ausreicht. Um kurz in die Bildwelt des Fußballs abzutauchen: Die Frauen wollen nicht mehr den Ausputzer spielen, die Löcher stopfen, wo es in Haushalt und Familie nicht passt. Sie möchten selbst das Spiel bestimmen und kreative Akzente setzen.  

 

2. Mit dem Abdanken der Soccermums zerfällt das Modell der bürgerlichen Kleinfamilie

Wie tiefgreifend dieser Wandel im weiblichen Selbstverständnis sein wird, zeichnet sich jetzt ab: Die klassische bürgerliche Kleinfamilie basierte auf den familyvan-bewaffneten Halbtagsfrauen und avanciert in Deutschland spätestens bis 2015 zum Auslaufmodell. Die Rollen in den Familien verändern sich gerade dramatisch: Frauen sind die dynamischsten Gründer in diesem Land. Die Männer entdecken Lebenssinn neuerdings nicht mehr nur in Erwerbsarbeit und Karriere, sondern auch in der Beziehungs- und Gefühlsarbeit innerhalb der Familie (Väter in Elternzeit 2007: 3,5 %, 3. Qrtl. 2009: 20,7 %). Wir bewegen uns nicht mehr in dem Korsett, wie es seit der Mitte des 20.Jahrhundert für die bürgerliche Kleinfamilie vorgesehen war: Einkaufszentrum (grüne Wiese), Automobilität (Vorratseinkauf), TV (Massenmarketing) und Kühlschrank (Vorratseinhaltung).

 

3. Berufliche Selbstständigkeit ist immer noch eine Männerdomäne

Zurzeit erleben wir in Deutschland einen bescheidenen Gründerboom. Im ersten Halbjahr 2009 wurden insgesamt 209.000 Unternehmen gegründet, das sind 0,2 % mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Viele Gründungen darunter könnten Gründungen aus Not sein. Und die Zahl der Teilzeitselbstständigen bei den Frauen ist mit 65 % auffallend hoch. Insgesamt liegt die Selbstständigenquote bei Frauen in Deutschland jedoch immer noch bei bescheidenen sieben Prozent. 

 

4. Wie die Lipstick Entrepreneurinnen Wirtschaft und Gesellschaft verändern

Studien aus England und den USA belegen, dass auf die Soccermum in den nächsten Jahren tatsächlich die Lipstick Entrepreneurin folgt, die endlich in Firmen, aber auch Institutionen zum Wandel beitragen wird. Im FTSE, dem wichtigsten britischen Aktienindex, gab es 2008 in 5 von 100 Unternehmen weibliche CEOs, bis 2020 sollen es 50 sein, hat eine Studie des Future Laboratory im Auftrag von Avon herausgefunden. Im Vereinigten Königreich, so die Studie weiter, wird sich in den nächsten zehn Jahren die Zahl der weiblichen Unternehmerinnen verdoppeln. Aber auch die britische Politik wird deutlich weiblicher: Das House of Parliament, das momentan über 126 weibliche MPs verfügt, wird in zehn Jahren von 252 weiblichen MPs geprägt werden.

 

5. Gründerinnen-Boom ist ein Akademikerinnen-Boom

Und in Deutschland? Nach wie vor gibt es in Deutschland doppelt so viele männliche Unternehmer (13,9 %). Und die Mehrzahl der deutschen Lipstick Entrepreneurs verdient ihr Geld in klassischen Frauenberufen mit weniger Umsatz. Dabei verfügen selbstständige Frauen in Deutschland – gegenüber selbstständigen Männern – über qualitativ höherwertige Abschlüsse. Darüber hinaus kommen Deutschlands weibliche CEOs überwiegend aus akademischen Ausbildungsgängen. Interessant ist, dass der Gründer-Boom unter den deutschen Frauen mit einem Netzwerk-Boom einhergeht: Mittlerweile werden hier zu Lande zwischen 300 und 500 Frauen- bzw. Gründungsnetzwerke von Frauen gezählt.

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2 Kommentare

  • #1

    Monika (Sonntag, 13 Dezember 2009 19:17)

    Mir fehlt hier wer: all die jungen muslimischen Frauen , die mit 25 3-4 Kinder haben-- die Soccermums , die nicht deutsch sprechen und kaum Geld haben.

    Lipstick Entrepreneurs finde ich signifikant abwertend dieses Wort - klingt für mich nach: die geschminkten Weiber greifen uns an

  • JimdoPro
    #2

    eikewenzel (Montag, 14 Dezember 2009 09:41)

    Hallo Monika,
    die Frauen, die Du hier nicht findest (wie muslimische Frauen), kommen in dem Text bewusst nicht vor. Hier ging es mir darum, darauf hinzuweisen, dass - statistisch belegt - eine Form des weiblichen Lebensstils in Deutschland und in den USA an Bedeutung verliert.
    Lipstick Entrepreneurs finde ich nicht abwertend. Ich habe den Begriff der im Text erwähnten Studien entlehnt.

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