Mi
21
Okt
2009
Was bedeutet Re-Regionalisierung und wie die neue Lust am Vertrauten den Handel inspiriert, 4 Trendbelege
Wenn wir uns im "globalen Modus" befinden, durcheilen wir Räume, als wären sie gar nicht da, wir degardieren unsere Umwelt zu Nicht-Orten: Flughäfen, Bahnhöfe, Straßenunterführungen. Die Zeit, Termine und Abfahrtzeiten, siegt über den Raum. Als Entschädigung dafür suchen wir immer häufiger den "regionalen Modus" auf. Wir möchten uns wiederverorten, ankommen und Vertrautheit genießen. Hierauf baut der Trend Re-Regionalisierung auf, der auch den Handel inspiriert.
Mittlerweile gibt es unzählige regionale Vermarktungsinitiativen, die
ganz Deutschland durchziehen. Das freut den Hofladen um die Ecke
– und die Einzelhandelsgiganten trimmen ihre Händler vor Ort auf Vertrautheitsmarketing:
- Regionalität geling durch Kollaboration: Insgesamt mehr als 400 lokale und regionale Initiativen greifen das Bedürfnis nach Regionalität auf. „Unser Land“ etwa kooperiert mit der Supermarktkette Tengelmann und bietet seine Waren in über 150 großstädtischen Filialen in München an; dazu kommen rund 500 weitere Geschäfte in und um München, deren Betreiber ebenfalls die regionalen Waren im Sortiment haben.
- Mit Regionalität die Landwirtschaft verändern: In Inhabergeführten REWE-Märkten in Süddeutschland reüssiert gerade das Konzept mit dem optimistischen Titel „total regional“. Die Einzelhändler arbeiten mittlerweile mit bis zu 50 Lieferanten aus der Region zusammen. Allein im Weinsortiment werden bei Rewe bis zu 900 regionale Artikel geführt.
- Regional funktioniert auch im Convenience-Segment: Infratest hat im Auftrag von Iglo herausgefunden, dass Regionalität selbst bei Tiefkühlkost ein ganz entscheidendes Argument ist. Mehr als 40 % der Befragten gaben an, dass ihnen die regionale Herkunft ihres Tiefkühlgemüses sehr wichtig bzw. wichtig ist. Tiefkühlanbieter Iglo macht Regionalität zum USP und versichert, dass Gemüse und Kräuter innerhalb von drei bis fünf Stunden vom Feld in die Verpackung kommen. Rund 100 Vertragslandwirte aus der Region garantieren die Qualität vor Ort.
- Aus Supermärkten werden Märkte: Die Entwicklung der so genannten Regionaltheken mit landestypischen Produkten in Supermärkten in Franken (Rewe, Kaufland, Marktkauf ) stützt ebenfalls den Heimat-Trend: Mehr als 130 dieser Sondersortimente werden bereits in den Filialen Nordbayerns gezählt, Tendenz dynamisch ansteigend. In Mittelhessen lassen die REWE-Märkte 14 Erzeuger aus der Kooperative „Landmarkt“ direkt in ihrem Markt auftreten – aus Supermärkten werden Wochenmärkte.
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