Di

20

Okt

2009

Themenschwerpunkt Natur: Wie die Öko-Bewegung der 1970er/1980er Jahre Natur verstanden hat, 4 Beobachtungen

1.) In Grenzen tolerante Natur: Als 2006 die Diskussion um den Klimawandel an hysterischer Schubkraft gewann, legten die Deutschen ein ausgesprochen gelassenes Verhältnis zur Natur an den Tag. Am häufi gsten ist das Bild einer in Grenzen toleranten Natur bei den Deutschen vertreten (53 Prozent).

Mit 22 Prozent schätzt der zweitstärkste Anteil der Deutschen die Natur als unberechenbar ein. Nur ein geringer Anteil von sechs Prozent hat die Vorstellung von einer gutmütigen Natur, die unabhängig von Eingriffen immer wieder ins Lot kommt. Dass die Natur sehr empfi ndlich gegenüber jeder Art von Eingriffen sei, davon geht ein Fünftel der Bundesbürger aus. 

 

2.) Freilichtmuseum und Kniebundhose

Bis Mitte der 1970er Jahre scherte sich in der mitteleuropäischen

Wohlstandswelt niemand wirklich um die Natur. Natur war ein Thema für

Kitsch und Sentimentalität, Natur wurde verherrlicht und verklärt, ein

possierliches Freilichtmuseum, das man bestaunen konnte, wenn es einem

nicht zu langweilig war.

 

3.) Natur als unterdrückte Klasse

Natur als unterdrückte Klasse und Katastrophe: Ende der 1970er, Mitte der 1980er Jahre, einhergehend mit den sozialen Bewegungen, der Anti-AKW-Bewegung, den Öko-Aktivisten und der Gründung der Grünen ging die Vorstellung von Natur mit der Beschwörung einer nahen globalen Katastrophe

einher. In paradoxer Übertreibung fand dadurch eine schrankenlose Verherrlichung der Natur statt. Im Grunde überall, wo an die Natur Hand angelegt wurde, wurde die Versündigung an Mutter Natur festgestellt.

 

4.) Die Eskamotierung des Menschen aus der Natur

Weil die Natur in der ersten Öko-Bewegung zum Himmel auf Erden erklärt wurde, konnten die Gesellschaft und der Einzelne nur noch als Frevler an

der Natur angesehen werden. Die kulturpessimistische Haltung der Ökos erklärte die Natur mithin zur Gesellschaftsutopie und „zur unterdrückten bzw. revolutionären Klasse“, wie es der Philosoph Odo Marquard

1987 formulierte, auf die sich alle Hoffnung auf Veränderung richtete.

 

Mehr dazu in der Studie "Neonature", Zukunftsinstitut 2008: www.zukunftsinstitut.de.

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