Do

15

Okt

2009

Warum Innovation im 21. Jahrhundert vor allem Empathie braucht: Zwei Zukunftspfade der Innovation. Ein Kurz-Consulting

Statt auf Faktizität und eindimensionale Erklärungsmodelle zu setzen, muss sich zukünftiges Innovationsmanagement vor allem auf eines stützen: auf Trends. Und Trends sind bekanntlich nichts anderes als Veränderungsschübe in Wirtschaft und Gesellschaft, die sich im Hier-und-Jetzt in Spuren ankündigen. Und mehr denn je kommt es darauf an, bei einer Innovation genauestens den Kontext der Nutzung des Produkts zu kennen; isolierte Details oder gegenwartsfixierte Marktforschungsdaten helfen nicht mehr weiter.

 

Innovationen, so könnte man auch sagen, entstehen im 21. Jahrhundert auf der Basis von Empathie: 

  • Empathie für den Kunden: Nur wenn ich die inneren Antriebskräfte meiner Kunden genau kenne, kann ich ihnen ein passgenaues Produkt liefern.
  • Empathie für Geschäftsmodelle: Nur wenn ich mich in die Gedankenwelt des Start-up-Gründers hineinversetzen kann, kann ich darüber entscheiden, ob sein Projekt den Markt tatsächlich verändern und damit ein neues Wertschöpfungsmodell etablieren wird oder nicht.
  • Empathie für das Produkt: Der betriebsblinde Fokus auf eine sich aufdrängende Zukunftstechnologie reicht im 21. Jahrhundert dafür längst nicht mehr aus – es kommt auf die Emotion an, mit der die Innovatoren in den Markt gehen. Wer von diesem Denkgestus einen sinnlichen Eindruck bekommen möchte, sollte sich einmal einen Film von Jean-Luc Godard anschauen.

Zwei Innovationspfade erscheinen mir in den nächsten Jahren besonders relevant und Erfolg versprechend: 


1. Innovationspfad Individualisierung: Bislang haben sich Innovationssprünge immer als Veränderungen an unserem Verhältnis zwischen Öffentlichkeit und Privatheit manifestiert: Der Brief war noch eine in hohem Maße persönliche Angelegenheit, schon mit der Erfindung des Telegramms findet eine Veröffentlichung oder Institutionalisierung statt. Der Innovationssprung des Mobiltelefons besteht schließlich darin, dass wir unsere persönliche Kommunikation wieder stark aus der institutionellen Formatierung herauslösen und raum- und zeitunabhängig telefonieren können. Speziell Innovationen in der Medien- und Technologiebranche werden in den nächsten Jahren weiterhin vor allem über die Individualisierung der Nutzung funktionieren. Das trifft sogar für Innovationen im Gesundheitssektor zu. Die Idee von Mass Customization im Sinne einer massenhaften "Verpersönlichung" des Konsums ist grandios gescheitert. Aber die Individualisierung von Produkten und Dienstleistungen wird in den nächsten Jahren die relevanten Innovationssprünge hervorbringen. Wen interessiert wirklich ein persönlicher, nach eigenen Farbideen hergestellter Laufschuh, aber welchen Freiheitsgrad schafft innovatives Gesundheitsmonitoring, das der Patient in den eigenen vier Wänden vornimmt?!

 

2. Innovationspfad Dezentralisierung: Innovationen werden sich in Zukunft immer dadurch auszeichnen, dass etwas zentralisiert oder dezentralisiert wird. In der nahen Zukunft werden zumal Dezentralisierungen für Innovationen stehen. Im zu Ende gehenden Industriezeitalter hat die Zentralisierung von Dienstleistungen (Einkaufen im Supermarkt, die Shoppingmall, die Post, das Ärztehaus, der Kiosk) den Massenwohlstand sichergestellt. Doch wir sind auf dem Weg von den massenhaften Wohlstandswelten in die individualisierten Wohlfühlmärkte, und dort werden Innovationen vor allem über intelligente Dezentralisierung stattfinden: Meine Musik auf meinem iPod, Dialyse zuhause, Gesundheitsmomnitoring über WLAN etc.

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