Mo
28
Sep
2009
Sinnmarkt # 7: Social Capitalism: Der Zukunftsmarkt der guten Taten und des Gemeinsinns
Gutes tun und den gesellschaftlichen Reichtum durch selbstloses Engagement zu steigern, wird für viele Unternehmen zu einer wichtigen Zukunftsaufgabe. Die Sinnmärkte der guten Taten und des Gemeinsinns sind eng verknüpft mit dem gestiegenen Bedürfnis der Menschen, der Gesellschaft etwas zu geben ohne direkt und monetär dafür entlohnt zu werden.
Wir haben im vergangenen Jahr zusammen mit GfK Roper Consulting eine Untersuchung zur Wertebefindlichkeit der Weltbevölkerung durchgeführt, wobei herauskam, dass für fast ein Viertel (24 %) der weltweit befragten Konsumenten der Dienst am Gemeinwohl ein sehr wichtiges Bedürfnis im Leben darstellt. Im vergangenen Jahr hat die Prognos AG mit dem „Engagementatlas“ erstmalig die Freiwilligenkultur – einen weiteren sehr wichtigen Indikator und Antreiber für die sozialen Sinnmärkte – in Deutschland untersucht. Die Ergebnisse überraschen nicht wirklich: Ein Drittel aller über 16-Jährigen engagiert sich für das Gemeinwohl. Im Schnitt leistet jeder Bürger 16,2 Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Monat. Das entspricht etwa 3,2 Millionen Vollarbeitsstellen, was bei einem Stundenlohn von 7,50 Euro einem Arbeitswert von 35 Milliarden Euro gleichkommt.
Wie die Wirtschaft mit dem Trend Social Capitalism umgeht, 4 Beispiele:
1. Die Arbeitsplatzmaschine: Investieren in Projekte mit Sinn: Die Calvert Social Investment Foundation wurde von der Zeitschrift Fast Company dafür ausgezeichnet, dass sie seit mehr als zehn Jahren immer erfolgreicher Geld bei privaten und institutionellen Investoren sammelt, um es gemeinnützigen Organisationen zu leihen. Die Rückzahlungsrate liegt bei 99,8 Prozent. Die Investoren bekommen ihr Geld mit Zinsen zurück, mit Abzug einer geringen Gebühr, um die Projekte der Foundation zu unterstützen. Seit 1995 hat die Calvert Foundation auf diese Weise mehr als 146.000 Arbeitsplätze geschaffen, 8.000 Häuser gebaut und 8.400 gemeinnützige Einrichtungen unterstützt.
2. Im Emsland macht die iHp GmbH den Arbeitsmarkt zur Privatsache: Im April 2007 haben sich im Emsland vier Unternehmen zum Dienstleistungsanbieter iHp GmbH (Industrie, Handel und Prozessindustrie) zusammengeschlossen. Das Ziel: dem Fachkräftemangel in der Region entgegenwirken und Langzeitarbeitslose wieder fit für den Arbeitsmarkt machen – und damit nebenbei Geld verdienen. Services wie Facility-Management sowie personalwirtschaftliche und gewerbliche Dienstleistungen sind speziell auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Das Bemerkenswerte an iHp: Die bisher einzige privatwirtschaftliche Initiative dieser Art kommt ganz ohne Arbeitsamt und Subventionen vom Staat aus und ist weder Personal-Service-Agentur noch klassische Leiharbeitsfirma. Die Gewinne der Gesellschafter sind gedeckelt. Alles, was darüber hinausgeht, wird in die Weiterbildung der Angestellten gesteckt, denn die sollen langfristig an iHp gebunden werden. Derzeit kommen pro Monat 10 neue Mitarbeiter dazu, 500 sollen es in wenigen Jahren sein. Für das erste Geschäftsjahr ist ein Umsatz von 4 bis 5 Millionen Euro angepeilt.
3. Ganz ohne Gewinn, aber mit sehr viel Sinn: Der Obdachlosenzahnarzt: Der Zahnarzt Dr. Martin Ahrberg wurde im Jahr 2004 von der Sendung „Drei Engel für Hessen – die Show, die Gutes tut” inspiriert. Mit seinem Projekt: „Zahnarzt behandelt kostenlos Obdachlose“ bewarb er sich und gewann dann sogar den Endausscheidung der Aktion des Hessischen Rundfunks. Doch damit nicht genug: Der Zahnarzt begeisterte weitere Hilfswillige (u.a. Anwälte, einen Orthopäden, eine Fußpflegerin, verschiedene Fachärzte etc.) für seine Idee und gründete kurz darauf den Verein: „Die Gesundheitsengel“. Seit der Gründung behandeln und betreuen die freiwilligen Mitglieder des Vereins einmal pro Woche Obdachlose und andere Hilfsbedürftige.
4. Die Sinn-Bank: „Die Zweite Sparkasse“ ist eine von einer Stiftung der „Erste Bank Gruppe“ gegründete Sparkasse für Kunden, die in eine finanzielle Notlage geraten sind und denen der Zugang zu Bankdienstleistungen verweigert wird. Einzige Voraussetzung für ein Konto ist ein bereits laufendes Betreuungsverhältnis etwa bei der Schuldnerberatung, der Caritas oder bei anderen sozialen Wohlfahrtseinrichtungen. Die Leistungen, die den Kunden angeboten werden, unterscheiden sich im Kern nur wenig von denen anderer Banken. Auch Versicherungsleistungen werden kostenlos oder zu extrem günstigen Beiträgen angeboten. Mit diesem sozial-innovativen Bankangebot soll den Kunden dabei geholfen werden, wieder Inhaber eines neuen Kontos bei einer „normalen“ Bank zu werden. Und ohne freiwilliges Engagement wäre diese gute Tat nicht möglich: Ausschließlich freiwillige aktive oder pensionierte Erste-Bank-Mitarbeiter führen die „Zweite Sparkasse“.
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