Mo

28

Sep

2009

Ministry of Change: Wie unsere postfossile Autozukunft aussieht, aus meinem Gespräch mit Börsen-Guru Dirk Müller

1. Was wird das Next Big Thing in den Technikbranchen sein?

Dirk Müller: Aus meiner Sicht wird das nächste „Jahrhundertereignis“ eine grundlegende Veränderung der Mobilität sein. Seit etwa 150 Jahren wird die automobile Fortbewegung durch den Verbrennungsmotor bestimmt. Diese Phase scheint nun unmittelbar vor ihrem Ende zu stehen. Der Elektroantrieb steht aufgrund von neuen Technologien insbesondere bei den Batterien unmittelbar vor dem Durchbruch.

 

Dr. Eike Wenzel: Keine Frage, durchschlagende Zukunftstechnologie wird nachhaltige Technologie sein. In den nächsten 2 Jahrzehnten haben wir auf

den Technologiemärkten eine große Herausforderung zu bewältigen: Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Energien und Antrieb stetig nachwachsen. Genau das wird nicht mehr der Fall sein. Auf künftigen Technologiemärkten muss Energie zur Verfügung stehen, die nicht mehr aus endlichen Ressourcen kommt. Es wird auch wichtig sein, wie schnell wir diese Herausforderung mental begreifen und umsetzen können.

 

Dirk Müller: Werte werden immer wichtiger, lassen sich aber nur durch eine konsequente Markenführung vermitteln. In den letzten Jahren waren es aber vor allem die Einzelhändler, die es geschafft haben, den physischen Kontaktpunkt mit dem Kunden zu nutzen, um Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufzubauen. „Otto Normalverbraucher“ kann da kaum mehr zwischen Händler- und Herstellermarke unterscheiden. Herstellermarken müssen sich sehr in Acht nehmen und aktiv werden, um nicht ihre Attraktivität neben der der Händler einzubüssen. 

 

2. Automobil, der Schlüsselmarkt – auch noch im Jahr 2020?

Dirk Müller: Aus meiner Sicht DER Schlüsselmarkt der Zukunft. In wenigen

Jahren werden die großen Automobilhersteller fast ausschließlich Fahrzeuge mit Elektroantrieb (hierzu zählen aus meiner Sicht für das Übergangszeitalter auch Hybridfahrzeuge) produzieren. Die steuerlichen Anreize werden enorm sein, und die Menschen werden den neuen Antriebe lieben. Niemand möchte mehr mit lauten, stinkenden und giftigen Verbrennern unterwegs sein. Die Innenstädte werden nur noch im Elektrobetrieb befahren werden dürfen. Es wird sich eine völlig neue Lebensqualität in den Städten entwickeln. Die Folge wird sein: Ein Großteil der weltweiten Fahrzeugflotte wird binnen 10 Jahren von Verbrennern in Elektrofahrzeuge gedreht werden. Das ist ein Boom für die Kfz-Industrie, ähnlich der Erfindung des Automobils an sich.

 

Dr. Eike Wenzel: Ich sehe die Radikalität des Wandels ähnlich wie Dirk,

allerdings wird das Auto in seiner kulturellen Bedeutung schon an Wert verlieren. Mit dem Auto verbinden wir den Individualisierungs-Mythos des 20. Jahrhunderts. Im 21. Jahrhundert werden wir nach anderen Mythen

streben – Fortbewegung wird pragmatischer (im Volumen jedoch keineswegs geringer). Wir werden mehr reibungslose Mobilität als individuelle Automobilität kaufen. Nicht ausgeschlossen, dass es eine grüne Energiemarke geben wird, bei der wir Autos leihen, Flüge buchen und die Sonnenkollektoren in unserem Null-Energie-Haus erneuern lassen.

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