So

20

Sep

2009

Sinnmarkt # 6: Der Sinnmarkt des nachhaltigen Konsums

Richtig verstandener Ethik-Konsum, das heißt in Zukunft eben nicht nur, die „richtige“ Butter im „richtigen“ Laden von der „richtigen“ Marke zu kaufen. Es heißt, mit neuen Technologien nicht nur Märkte zu beliefern, sondern zu verändern. Woher beispielsweise die Energie für die vielen Elektroautos kommen könnte, zeigt das Beispiel des größten Erdwärmekraftwerks der Welt, mit dem (fast) ganz ohne Emissionsausstoß Energie gewonnen wird.

Derzeit arbeitet die Firma Geodynamics in Australien an dem bislang aufwendigsten Geothermie-Projekt: Mehr als vier Kilometer wird in die Tiefe gebohrt, um das 250 Grad Celsius heiße Wasser zur Energiegewinnung nutzen zu können. Mehr als zehn Gigawatt Strom soll die Anlage produzieren. Dass Geothermie ein Zukunftsmarkt ist, belegen nicht nur die ehrgeizigen Zie­le von Geodynamics: 2011 soll das erste Kraftwerk stehen, bis 2015 wol­len die Australier 500 Megawatt liefern. Auch für Europa prognostizieren die Experten, dass Erdwärmekraftwerke mindestens die gleiche Menge an Energie erzeugen können wie die Atomkraftwerke (www.geodyna­mics.com.au).

 

Weitere Beispiele für Branchen, die die Sinnmärkte und die ethisch-mo­ralischen Bedürfnisse der Konsumenten in den nächsten Jahren (neu) entdecken werden:

 

  • Heuschrecke setzt auf Nachhaltigkeit und mehr Glaubwürdigkeit: Weg vom Heuschrecken-Image, hin zu mehr Transparenz, Verantwor­tung und Vertrauen lautet die Devise der Beteiligungsgesellschaft KKR. Seit der Investor sich 2004 mehrheitlich an der Werkstattkette Auto Teile Unger (ATU) beteiligt hat, ging der Umsatz bei dem deut­schen Familienunternehmen rapide bergab. Schlechte Arbeitsbedin­gungen, fehlende Mitarbeitermotivation und enormer Wachstums­druck gelten als Hauptgründe dafür. Mit der neuen Expansionsstra­tegie kehrt KKR dem reinen Renditedenken nun den Rücken – und zurück auf die Erfolgsspur der Sinnmärkte. Die Beschäftigten sollen künftig mehr in Entscheidungsprozesse eingebunden werden und verstärkt an Weiterbildungskursen teilnehmen. Das Budget für Mit­arbeiterschulungen wurde um das Doppelte erhöht. Die Strategie für die Sinnmärkte steht fest: „Langfristig brauchen wir das Vertrauen unserer Kunden, und das bekommen wir nur durch ehrliche Verkäu­fe”, so Michael Kern, ATU-Chef, in einem Interview mit dem Nachrich­tenmagazin Spiegel.

 

  • IBM kennzeichnet und bewertet im Rahmen der Initiative „Ready for Energy & Environment“ künftig seine Partnerfirmen für ihr um­weltfreundliches Engagement. Alle im Wertschöpfungsprozess von IBM angeschlossenen Firmen müssen künftig nachweisen, dass sie umweltbelastende und knappe Ressourcen wie Wasser, Strom und Papier sorgsam einsetzen. Wie Chris Wong, der Vice President für Strategie und Marketing, kürzlich in einem Interview bestätigte, sind die Kriterien zur Erfüllung des Ethik-Guides bewusst sehr streng ge­halten. Derzeit erfüllen nur etwa 30.000 der fast 100.000 Partnerfir­men die Anforderungen.

 

  • Green-IT-Boom trotz Krise: Grüne Techniklösungen sind spätestens seit der Cebit 2008 auf dem Massenmarkt angekommen. Wie der Branchenverband BITKOM kurz vor Beginn der Cebit 2009 mitteil­te, hält der Nachfrage-Boom nach umweltfreundlichen und energie­effizienten Hightech-Geräten trotz konjunktureller Schieflage weiter an. Fast 60 % der Befragten sind bereit, für „grüne” Technik mehr Geld auszugeben. Für 84 % der Kunden ist ein niedriger Energiever­brauch ein wichtiges oder sehr wichtiges Kaufargument, 80 % der Befragten schauen beim Kauf von Technik besonders auf die Um­welteigenschaften. Damit haben ökologische Kriterien für die Ver­braucher inzwischen den gleichen Stellenwert wie das Preis-Leis­tungsverhältnis. Die starke Nachfrage nach Green-IT hat zur Folge, dass dieses Jahr aus dem „Green IT Village” eine „Green IT World” gemacht wurde. „Die überwiegende Mehrheit der Fachbesucher der Cebit 2008 hat sich mehr Informationen rund um das Thema Green IT gewünscht”, so Ernst Raue, Vorstand der Deutschen Messe AG.

 

  • Und wer noch nicht ganz von seinen alten Mobilitätsgewohnheiten abrücken möchte, dem bietet die Firma X-Leasing (www.x-leasing.de) CO2-neutrale Leasing-Verträge auch für Sportwagen wie den Porsche Cayenne an. Damit das Ganze aber auch eine sinnstiftende Funktion erfüllt, kann gegen Aufpreis das während der Vertragslaufzeit anfallende CO2 Pt durch neu gepflanzte Bäume und Wälder kompensiert werden (www.co2-neutral-leasen.de).

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