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18

Sep

2009

Weswegen wir im 21. Jahrhundert nicht mehr von Milieus, sondern von situativen Lebensstilen sprechen müssen, 3 Argumente

Milieudenken ist eine Sache des 19. und 20. Jahrhunderts. Gibt es nicht längst eine neue, selbstbewusste Selbstständigen- und Freelancer-Kultur, die den Milieuschubladen auf listige Weise entkommt? Wie lassen sich diese individualistischen Lebensentwürfe erklären und verstehen? Immerhin

kommt der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung zu dem überraschenden Ergebnis: Jeder dritte Arme lässt die Armut nach einem Jahr hinter sich, zwei Drittel nach zwei Jahren (Quelle: Die Welt vom 16.10.2006: Friedrich-Ebert-Stiftung/ TNS Infratest Sozialforschung, Gesellschaft im Reformprozess).

Wer unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert verstehen möchte, das ist für uns

die Konsequenz, der muss endlich das Milieukonzept hinter sich lassen. Die offensichtlichen Gründe dafür:

 

1. Milieudenken setzt starre Lebensmuster voraus. Milieu-Modelle haben gegenüber dem Lebensstil-Ansatz den offensichtlichen Nachteil, dass sie mehr oder weniger fixe Existenzen und Lebensmuster voraussetzen. Folgt man diesem Ansatz, dann bleiben Menschen, die einmal in einem bestimmten Milieu „eingecheckt“ haben, Zeit ihres Lebens diesem Milieu verhaftet.

 

2. Es ignoriert soziale Mobilität. Milieu-Modelle berücksichtigen zu wenig die Wahrscheinlichkeit sozialer Mobilität, also des Wechsels von Lebenssituationen und -mustern innerhalb der Biographie. Gerade aber diese soziale Mobilität und intrabiographischen Wechsel sind zentrale Charakteristika des dynamischen Wandels unserer Zeit.

 

3. Es ist gegenwartsfixiert. Und wichtiger noch: Milieu-Modelle eignen sich allenfalls zur Beschreibung der Gegenwart. Während aber selbst hierbei die

Milieu-Forscher inzwischen einsehen müssen, dass es die einstmals so klaren Trennungen einzelner Gruppen gar nicht mehr gibt, haben sie sich nie für die Beschreibung möglicher Zukünfte geeignet. Selbst wenn in den unterschiedlichen Milieu-Modellen z.B. von „Modernen Performern“,„Experimentalisten“, „Aufstiegsorientiertem Milieu“ oder „Engagiertem Bürgertum“ die Rede ist, ist längst nicht klar, ob und, wenn ja, welche Bedeutung diese für die Gesellschaft von morgen haben.

 

Mehr dazu: http://www.zukunftsinstitut.de/verlag/studien_detail.php?nr=58

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